Wenn die Tage kürzer werden, die Temperaturen sinken und die Heizungen wieder laufen, bekommt auch unsere Stimme einiges zu tun. Kalte Außenluft, trockene Heizungsluft und häufige Temperaturwechsel können die Schleimhäute im Bereich der Atemwege reizen und austrocknen. Hinzu kommen Erkältungsinfekte, die unsere Stimme zusätzlich beanspruchen können.

Gerade in der Herbst- und Winterzeit lohnt es sich deshalb, der eigenen Stimme etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Denn eine gesunde Stimme ist keine Selbstverständlichkeit – sie braucht Pflege, ausreichend Erholung und einen bewussten Umgang.

Was belastet unsere Stimme in der kalten Jahreszeit?

Unsere Stimmlippen benötigen eine gut befeuchtete Schleimhaut, um frei und schwingungsfähig arbeiten zu können. Trockene Raumluft, zu geringe Flüssigkeitszufuhr und häufiges Sprechen können diese natürliche Funktion beeinträchtigen.

Besonders ungünstig sind:

  • Trockene Heizungsluft in Wohn- und Arbeitsräumen.
  • Häufige Wechsel zwischen kalter Außenluft und warmen Innenräumen.
  • Erkältungen und Infekte der oberen Atemwege.
  • Längeres und angestrengtes Sprechen, insbesondere in geräuschvoller Umgebung.
  • Häufiges Räuspern, das die Stimmlippen zusätzlich mechanisch belastet.

Die Folge können ein Kratzen im Hals, ein Trockenheitsgefühl, eine erhöhte Stimmanstrengung oder auch Heiserkeit sein.

7 Tipps für eine gesunde Stimme im Herbst und Winter

1. Ausreichend trinken

Eine gute Flüssigkeitsversorgung unterstützt die natürliche Befeuchtung der Schleimhäute. Trinken Sie regelmäßig über den Tag verteilt, am besten Wasser oder ungesüßten Tee. Warten Sie nicht erst, bis Sie Durst verspüren.

2. Die Raumluft im Blick behalten

Heizungsluft kann die Schleimhäute austrocknen. Regelmäßiges Lüften und ein angenehmes Raumklima können helfen. Achten Sie darauf, dass die Luft in Ihren Wohn- und Arbeitsräumen nicht dauerhaft zu trocken ist.

3. Die Stimme morgens sanft aktivieren

Auch die Stimme darf morgens erst einmal wach werden. Beginnen Sie den Tag mit einem sanften Summen, einem lockeren Gähn-Seufzen oder einigen Streckbewegungen. So können Sie Körper und Stimme behutsam auf die täglichen Anforderungen vorbereiten. Wichtig ist, dass alles mühelos und ohne Druck geschieht.

4. Die Schleimhäute unterstützen

Bei trockenen oder gereizten Atemwegen kann das Inhalieren mit steriler isotoner Kochsalzlösung (0,9 %) über einen geeigneten Vernebler angenehm sein. Die feinen Tröpfchen befeuchten die Schleimhäute. Verzichten Sie auf das Inhalieren über Töpfen mit heißem Wasser, da hierbei Verbrühungsgefahr besteht.

Auch reizfreie, pflanzliche oder schleimhautschützende Lutschpastillen sowie salzhaltige Pastillen können bei einem trockenen oder kratzenden Gefühl im Hals wohltuend sein. Stark menthol- oder minzhaltige Produkte sollten Sie nicht übermäßig verwenden, da sie bei empfindlichen Schleimhäuten zusätzlich reizen können.

5. Räuspern möglichst vermeiden

Ein häufiger Begleiter bei Erkältungen oder trockenen Schleimhäuten ist das Räuspern. Was sich zunächst wie eine Erleichterung anfühlt, belastet die Stimmlippen durch das wiederholte Aneinanderschlagen zusätzlich.

Versuchen Sie stattdessen, bewusst zu schlucken, einen Schluck Wasser zu trinken oder – wenn es gar nicht anders geht – sanft und stimmlos zu husten. So können Sie den Räusperreiz unterbrechen, ohne Ihre Stimme unnötig zu belasten.

6. Bei Infekten auf die Stimme achten

Wenn Sie erkältet sind oder unter deutlicher Heiserkeit leiden, braucht Ihre Stimme Ruhe. Reduzieren Sie das Sprechen auf das Notwendige und vermeiden Sie stimmliche Belastungen. Flüstern ist übrigens keine schonende Alternative zum normalen Sprechen und kann die Stimme zusätzlich anstrengen.

Bei einer akuten Kehlkopfentzündung sollten Sie auf Stimmübungen verzichten und Ihrer Stimme die notwendige Erholung ermöglichen.

7. Nicht gegen den Umgebungslärm ansprechen

Gerade in der Vorweihnachtszeit, auf Weihnachtsmärkten oder bei Familienfeiern wird es häufig laut. Versuchen Sie, nicht dauerhaft gegen die Geräuschkulisse anzusprechen oder Ihre Stimme zu überheben. Gehen Sie lieber näher an Ihr Gegenüber heran und nutzen Sie ruhigere Gesprächssituationen.

Wann braucht die Stimme Unterstützung?

Eine vorübergehend belegte oder heisere Stimme kann im Rahmen einer Erkältung auftreten. Wenn die Heiserkeit jedoch länger anhält, immer wiederkehrt oder ohne erkennbare Ursache auftritt, sollte sie ärztlich abgeklärt werden.

Auch wenn Sie merken, dass Ihnen das Sprechen zunehmend schwerfällt, Ihre Stimme schnell ermüdet oder Sie häufig gegen ein unangenehmes Gefühl im Hals ansprechen müssen, lohnt sich ein genauerer Blick auf Ihre Stimmfunktion.

In der logopädischen Stimmtherapie können wir gemeinsam daran arbeiten, die Stimme zu entlasten, die Stimmgebung zu verbessern und einen bewussteren Umgang mit der eigenen Stimme zu entwickeln.

Ihre Stimme verdient Aufmerksamkeit – zu jeder Jahreszeit

Ob im Beruf, im Familienalltag oder in der Freizeit: Unsere Stimme begleitet uns jeden Tag. Ein paar kleine Gewohnheiten können bereits viel dazu beitragen, sie gesund und belastbar zu erhalten.

Gönnen Sie Ihrer Stimme gerade in der kalten Jahreszeit etwas mehr Aufmerksamkeit. Sie wird es Ihnen danken!

Zurück zum Blog