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Wenn der Mund ständig offen steht – die Bedeutung der Nasenatmung
Nasenatmung, Mundgesundheit und Schlaf gemeinsam betrachten
Atmen ist etwas, das wir ganz selbstverständlich tun. Tausende Male am Tag, meistens ohne darüber nachzudenken. Doch wie wir atmen, macht einen Unterschied. Die Nase ist dabei weit mehr als nur ein Durchgang für die Atemluft. Sie übernimmt wichtige Aufgaben und spielt eine zentrale Rolle für unsere Gesundheit, die Entwicklung des Mund- und Kieferbereichs und unser allgemeines Wohlbefinden.
Trotzdem ist es gar nicht so selbstverständlich, dass wir überwiegend durch die Nase atmen. Gerade bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen, lässt sich häufig beobachten, dass der Mund beim Spielen, Lernen, Fernsehen oder sogar im Schlaf dauerhaft geöffnet ist. Was zunächst wie eine kleine Angewohnheit erscheint, kann langfristig Auswirkungen auf verschiedene Körperfunktionen haben.
Die Nase – unser natürliches Atemorgan
Die Nasenatmung erfüllt mehrere wichtige Aufgaben: Die Nasenschleimhaut filtert eingeatmete Partikel, erwärmt und befeuchtet die Atemluft, bevor diese in die unteren Atemwege gelangt. Außerdem wird in der Nase Stickstoffmonoxid (NO) gebildet, das unter anderem an der Regulation der Atemwege und der Durchblutung beteiligt ist.
Bei der Mundatmung werden diese natürlichen Aufbereitungsfunktionen teilweise umgangen. Die Atemluft gelangt weniger gefiltert, erwärmt und befeuchtet in die Atemwege. Gleichzeitig trocknen Mund- und Rachenschleimhäute leichter aus.
Das kann sich beispielsweise durch einen trockenen Mund am Morgen, unangenehmen Mundgeruch oder eine erhöhte Anfälligkeit für Zahnfleischprobleme bemerkbar machen. Auch das natürliche Schutzsystem des Speichels wird beeinträchtigt, wenn die Mundhöhle dauerhaft austrocknet.
Was passiert bei dauerhaftem Mundatmen?
Mundatmung ist nicht grundsätzlich problematisch. Bei körperlicher Anstrengung, einer Erkältung oder einer verstopften Nase ist sie eine sinnvolle und manchmal notwendige Ausweichmöglichkeit. Entscheidend ist, ob sie dauerhaft zum vorherrschenden Atemmuster wird.
Besonders im Kindesalter lohnt sich ein genauer Blick, denn Atmung, Muskelaktivität und Wachstum stehen in enger Wechselwirkung.
Mundschluss, Zungenlage und Kieferentwicklung
Bei physiologischer Ruheatmung ist der Mund in der Regel geschlossen. Die Zunge liegt entspannt am Gaumen, die Lippen sind locker geschlossen. Dieses Zusammenspiel unterstützt das funktionelle Gleichgewicht der Mund- und Gesichtsmuskulatur.
Bei anhaltender Mundatmung befindet sich die Zunge häufig in einer tieferen Position im Mundraum. Der Mund bleibt geöffnet, die Lippenmuskulatur wird weniger aktiv eingesetzt. Während der Wachstumsphase kann dieses veränderte Muskelgleichgewicht mit einer ungünstigen Entwicklung des Oberkiefers und des Zahnbogens zusammenhängen.
In wissenschaftlichen Untersuchungen werden bei Kindern mit chronischer Mundatmung unter anderem ein schmalerer Oberkiefer, ein hoher Gaumen und bestimmte Zahn- und Kieferfehlstellungen häufiger beschrieben. Dabei spielen auch andere Faktoren wie genetische Voraussetzungen und anatomische Besonderheiten eine Rolle.
Atmung und Körperhaltung
Unsere Atmung ist eng mit der Haltung und der Aktivität verschiedener Muskelgruppen verbunden. Wenn die Nasenatmung erschwert ist, können Betroffene unbewusst ihre Kopf- und Halsposition verändern, um die Atmung zu erleichtern.
Bei Menschen mit chronischer Mundatmung werden deshalb häufiger Veränderungen der Kopf- und Halsposition beobachtet. Eine nach vorne verlagerte Kopfhaltung kann beispielsweise mit einer veränderten Muskelspannung im Nacken-, Schulter- und Kieferbereich einhergehen.
Atmung, Haltung und Muskelspannung sollten deshalb nicht immer isoliert betrachtet werden.
Schlaf, Konzentration und Leistungsfähigkeit
Besonders wichtig ist die Nasenatmung während der Nacht. Wer regelmäßig mit geöffnetem Mund schläft, schnarcht, unruhig schläft oder morgens mit trockenem Mund aufwacht, sollte genauer hinschauen.
Hinter einer solchen Symptomatik können beispielsweise vergrößerte Rachenmandeln, Allergien oder andere Einschränkungen der Nasenatmung stecken.
Auch schlafbezogene Atmungsstörungen wie die obstruktive Schlafapnoe können eine Rolle spielen. Dabei wird der Schlaf durch wiederkehrende Atemstörungen unterbrochen.
Die Folgen eines nicht erholsamen Schlafes können sich am Tag zeigen: Müdigkeit, Reizbarkeit, Schwierigkeiten bei der Konzentration und eine verminderte Leistungsfähigkeit. Gerade bei Kindern können sich Schlafprobleme auch durch Unruhe, auffälliges Verhalten oder Schwierigkeiten beim Lernen bemerkbar machen.
Wichtig ist dabei: Nicht die Mundatmung allein erklärt diese Auffälligkeiten. Vielmehr sollte geprüft werden, ob eine eingeschränkte Atmung oder eine Schlafstörung dahintersteckt.
Nasenatmung beginnt nicht erst nachts
Ein gesundes Atemmuster begleitet uns durch den gesamten Tag. Deshalb lohnt es sich, die eigene Atmung und die unserer Kinder einmal bewusst zu beobachten.
Ist der Mund beim konzentrierten Spielen oder Lernen häufig geöffnet? Wird überwiegend durch den Mund geatmet? Ist die Zunge beim Sprechen oder in Ruhe häufig zwischen den Zähnen zu sehen? Gibt es häufiges Schnarchen oder einen unruhigen Schlaf?
Solche Beobachtungen können erste Hinweise darauf geben, dass das Zusammenspiel von Atmung, Zungenlage und Mundschluss nicht optimal funktioniert.
Dabei ist es wichtig, nicht einfach nur den Mundschluss zu trainieren. Zunächst sollte geklärt werden, ob eine freie Nasenatmung überhaupt möglich ist. Eine verstopfte Nase, Allergien oder anatomische Hindernisse müssen gegebenenfalls ärztlich abgeklärt und behandelt werden.
Atmung, Zunge und Mundfunktion gemeinsam betrachten
In meiner Praxis lege ich großen Wert darauf, die Funktionen des Mund- und Gesichtsbereichs nicht isoliert zu betrachten. Atmung, Zungenruhelage, Schlucken, Kauen und die Aktivität der Lippen- und Gesichtsmuskulatur beeinflussen sich gegenseitig.
Deshalb ist es sinnvoll, diese Funktionen gemeinsam in den Blick zu nehmen und bei Bedarf therapeutisch zu begleiten.
In diesem Zusammenhang arbeite ich auch mit Eptamed zusammen. Die entsprechenden funktionellen Hilfsmittel können – je nach individueller Ausgangssituation und in Abstimmung mit den beteiligten Fachpersonen – in ein ganzheitliches Therapiekonzept eingebunden werden. Dabei geht es unter anderem darum, die Wahrnehmung und das Zusammenspiel von Zungenposition, Lippen- und Mundmuskulatur sowie den oralen Funktionen zu unterstützen.
Eine solche Begleitung ersetzt selbstverständlich nicht die notwendige medizinische Abklärung möglicher Atemwegsbehinderungen.
Kleine Beobachtung, große Bedeutung
Die Nasenatmung ist eine grundlegende Körperfunktion, der wir im Alltag oft viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Dabei beeinflusst sie nicht nur die Atmung selbst, sondern steht in Verbindung mit Mundgesundheit, Schlaf, Muskelspannung und der Entwicklung des Mund- und Kieferbereichs.
Es lohnt sich deshalb, genauer hinzuschauen – bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen.
Denn eine gute Atmung beginnt nicht erst dann, wenn wir bewusst tief Luft holen. Sie begleitet uns im besten Fall ganz selbstverständlich durch den ganzen Tag und durch die Nacht